Corona und kein Ende...

Puh, der letzte Blogbeitrag ist schon viel zu lange her - aber ist Corona dieses Jahr denn wirklich an allem Schuld? Irgendwie schon...

 Ja, Corona hat auch mich voll erwischt - nicht das Virus, aber die damit einher gehenden, teils chaotischen Zustände in der Wirtschaft.

Erst ging lange nichts - Schockstarre allerseits. Mitarbeiter durften nicht mehr zu Schulungen, Trainer nicht in die Betriebe. Stillstand auch in Sachen Weiterbildung. Doch dann kam plötzlich Bewegung in alles. Schulungen online zu halten war plötzlich doch nicht so schlimm und besonders das Thema E-Commerce boomte. Viele haben die Zeit genutzt, die sie plötzlich nicht mehr im Stau auf dem Weg zur Arbeit standen, die sie nicht mehr mit Freunden oder Reisen verbringen konnten und haben sich weiter gebildet. Entsprechend viele Anfragen als Dozentin hatte ich plötzlich auf dem Tisch. Auch, weil ein lieber Kollege, der gute Rüdiger Frankenberger (den ihr u.a. hier findet: https://www.stoika-consult.de/) mich empfohlen hat, als gäbe es dafür Provision (die es übrigens nicht gibt, ebenso wenig, wie für diese "Werbung" hier, die einfach von Herzen kommt, weil der Mann einfach ein kluger Kopf ist und der ein oder andere ihn sicher brauchen kann. So funktionieren Netzwerke - man gibt, man bekommt, aber das nur am Rand :))

Wer mich schon kennt, weiß aber, dass ich nicht "nur" Dozentin bin, sondern eben auch sehr nah an der Praxis bin, wenn ich mit WERK 70 Kundenprojekte umsetze, plane, analysiere.

Das nur als Erklärung, warum es hier so still war: Arbeit und kein Ende.

Corona als Digitalisierungsmotor?

Trotzdem habe ich mir natürlich viele Gedanken gemacht. Wird Corona unsere Wirtschaftswelt wirklich nachhaltig verändern? Auch ich weiß es nicht. Manche haben festgestellt, dass Home-Office eine nette Alternative sein kann, andere, dass auch Home-Office Arbeit bedeutet. Und eben auch Probleme mit sich bringt. Nur eben andere, als im Stau zu stehen. Was ist besser, was ist schlechter? Am Ende ist das wohl eine Typfrage. Der eine wird sich auf die Rückkehr in Firmenbüro freuen, anderen werden lieber weiter im Home-Office bleiben. Und das ist doch eigentlich toll, oder? So kann jeder dort produktiv sein, wo er es am besten kann.

Manchen Arbeitgebern fehlen da aber die Kontrollmechanismen: Woher weiß ich, ob der Mitarbeiter wirklich arbeitet? Vertrauen ist hier das A und O. Mir beispielweise kann es doch völlig egal sein, wann die Mediengestalterin das Logo macht: morgens, abends, mitten in der Nacht... Hauptsache, es ist fertig, wenn es fertig sein soll. Das geht nicht überall - das ist klar. Aber was ich in den letzten Monaten an Kontrollwut erfahren habe, erscheint mir befremdlich. Von Menschen im Home Office, die die ganze Zeit die Webcam laufen lassen mussten, damit der Chef zwischendurch gucken kann, ob wirklich gearbeitet wird, bishin zu einer Art "Totmannschalter" in einem Seminar, um sicher zu gehen, dass die Teilnehmenden am Rechner sitzen.

Aber ich habe auch tolle Dinge erlebt, Mitarbeiter, die aufblühten, sich weiter bildeten, Chefs, die ihr letztes Hemd gegeben hätten, um Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit (oder schlimmeres) schicken zu müssen und auch schnell Defizite in der digitalen Infrastruktur ausgeglichen haben. Natürlich holperte und hakte es manchmal. Das beste Beispiel ist vielleicht Zoom. Ein irgendwie Nischenprodukt, das plötzlich eine unglaubliche Beachtung bekam, genutzt wurde. Probleme mit dem Datenschutz wurden sichtbar, die im Kleinen einfach nie aufgefallen waren (und ehrlich gesagt auch wohl niemanden gekümmert haben). Im Fokus der breiten Öffentlichkeit traten sie an Licht und das Unternehmen hat reagiert und nachgebessert. In Rekordzeit!

Corona hat also vieles und vor allen Dingen viele in Sachen Digitalisierung bewegt. Wie nachhaltig diese Bewegung ist, bleibt abzuwarten. Der Mensch an sich fällt gerne in alte Muster zurück.

Corona als E-Commerce - Motor

Der E-Commerce hatte in Deutschland bisher stabil jährliche Wachstumsraten von ca. 10%. Im 2. Quartal 2020 lag das Wachstum laut bevh bei 16,5%. Ehemals eher mäßig im E-Commerce laufende Segmente wie die "Produkte des täglichen Bedarfs" haben sogar um 51% zugelegt. Wie viel Toilettenpapier dabei war, weiß ich leider auch nicht. Auch alles rund ums Wohnen (Möbel, Deko, Geräte) stieg noch überdurchschnittlicher als der E-Commerce insgesamt. Wir betreiben Cocooning und machen unser Zuhause schön. Per Kauf im Internet.

Kleidung und Schuhe, eine der bisher größten Warengruppen im Onlinehandel, spielte dieses Jahr nur wenig Rolle.

Es ist anzunehmen, dass sich der Trend auch erstmal fortsetzt. Wenn die Gastronomie geschlosssen ist und wir in Jogginghose zu Hause sitzen, sind das Sofa und der Fernseher eben wichtiger, als das schicke neue Top und die coolen Schuhe.

Fakt ist: Wer im E-Commerce schon gut aufgestellt war, hat Corona sicher besser verkraftet, als diejenigen, die E-Commerce immernoch für eine Erfindung des Teufels halten. Die Teufelspaktierer konnten nämlich verkaufen, als die Ladenlokale in den Innenstädten geschlossen blieben und die Händler sich (online) beklagten...