Früher wollten Mädchen Prinzessin werden, heute Beauty & Lifestyle Influencerin

Ach, wollten wir nicht alle vom Prinzen gerettet und ins Schloss entführt werden? Irgendwann hatte frau diese Phase mal. Und heute? Heute ist nix mehr mit Märchen! Shrek hat Horden von Mädels in Panik versetzt, dass sie sich um Mitternacht in einen Oger verwandeln könnten! Also hübsch noch eine Schicht Creme und eine weiter Schicht Make-up ins Gesicht geklatscht, während man andächtig Beautyinfluencerinnen lauscht.

Ob das eine jetzt besser ist als das andere, sei einfach mal dahin gestellt, aber während die Vorbilder der Baby Boomer und Generation X irgendwelchen Bücher, Filmen, Serien entsprangen, sind es heute Youtuber, Tik Tok User und Instagrammer. Und davon gibt es viele. Viele mehr als es Seriensternchen und Filmstars gibt. Selbst mehr, als es fiktive Buchcharaktere gibt, in die man sich unsterblich verlieben kann oder Film-Helden, von denen man sich gerne mal retten lassen möchte (oder die man alternativ sein möchte).

Früher war alles einfacher. Die Produktion von glitzernden und schillernden Welten war einigen Autoren und Regisseuren vorbehalten. Sie waren es, die das produzierten, was wir heute „Content“ nennen. Ja, auch die Gebrüder Grimm waren Content Produzenten – oder eigentlich Content Kuratoren. Pinterest wäre vermutlich voll ihr Ding gewesen.

Heute produziert jeder Content – und das ständig. Jeder Satz, den wir posten, tweeten, kommentieren, ist Content. Jedes Bild von unserem Essen, unserer Katze, unserem Auto. Alles ist Content. Und bei allem wächst der Anspruch: Schöner soll es werden. Der graue Himmel an der Nordsee wird so lange mit Filtern bearbeitet, bis es nach Karibik-Urlaub aussieht. Das Essen wird aus einem möglichst vorteilhaften Winkel fotografiert und fotografiert und fotografiert…. Bis das Ergebnis stimmt und das Essen kalt ist (hoffentlich war es nur Salat).

Von Selfies reden wir besser erst gar nicht, oder? Katzenöhrchen und fliegende Herzen sind passé. Es wird so lange weich gezeichnet, gehighlighted, hier größer, da kleiner retuschiert, bis das digitale Ebenbild weder menschlich aussieht, noch irgendeine Ähnlichkeit mit dem Original hat.

Herzlich willkommen in der Inszenierungsgesellschaft

Hier zählt nicht mehr, wie es ist, sondern wie es aussieht und ob man es auf Instagram posten kann und wie viele Herzchen es bekommt. Wir alle inszenieren uns. Immer. Öffentlich. Den einen geht es immer gut und ihnen scheint die sprichwörtliche Sonne aus dem … Andere sind ständig mies drauf, alles läuft schief und überhaupt ist alles doof.

Was ist noch echt, was sind wir selbst und was ist unser Social Fake? Die Grenzen verschwimmen. Das macht uns, die wir ohne den ganzen „Kram“ aufgewachsen sind und genau wissen, dass das Hotel NIE so aussieht, im Reisekatalog, wenig. Die jüngeren Generationen, die ihr Leben lang die heile, wunderschöne Welt der anderen besser kennen gelernt, als des Nachbarns Garten, haben ein Problem: Sie sind Menschen. Normale Menschen. Keine Superhelden oder Stars. Trotzdem weckt die Inszenierung der anderen den Anschein, dass man so sein müsste. Immer schön, immer fit, immer im Urlaub. Oder zu Hause in einer Luxuswohnung, die man sich trotz ständigen Restaurantbesuchen und immer neuen Klamotten natürlich locker leisten kann. Dass das nicht geht, ist irgendwie klar – aber so funktionieren wir Menschen nicht. Wir glauben, was wir nur oft genug sehen.

Deutlich gezeigt hat das zuletzt die Influencerin Natalia Taylor. Sie führt auf Instagram so ein „Bigger than life“ – Leben. Immer schick, stylisch, heiß. Sie war letztens auf Bali. Und ihre Follower waren sooooooo begeistert. Das Problem: Sie war nicht auf Bali. Sie hatte ein Photoshooting in einem lokalen Ikea (also auch nicht auf Bali… gibt es auf Bali einen IKEA?!?).
Tausende haben geglaubt, was sie gesehen haben. Denn schließlich sehen sie es ständig. Das Video dazu siehst Du hier:

Und genau das ist das Problem der Inszenierungsgesellschaft: Wir können einen Fake nicht mehr vom echten Leben unterscheiden. Auch wenn das Beispiel hier eher witzig ist, treibt  das ganze auch sehr traurige Stilblüten. Davon erzähle ich demnächst im Online Impuls zum Thema „Inszenierungsgesellschaft“. Sei also dabei!