Wo zu Guttenberg noch Verteidigungsminister ist… Wenn die Zeit den Journalismus einholt
Ich lese Frauenzeitschriften. So – jetzt ist es raus.
Als Germanistin, Akademikerin, selbstbewusste Frau, die sich wenig um Klatsch und Tratsch schert, lese ich Frauenzeitschriften! Und das nicht nur beim Arzt – ich KAUFE sie sogar. Regelmäßig und gerne.
Gut, streng genommen ist es nur eine – die Cosmopolitan.
Warum? Das ist etwas, das sich mir selbst bis heute nicht erschließt. Die Modetipps finde ich oft gruselig (außer einen, dem ich tatsächlich gefolgt bin – grauer Nagellack – SCHICK!) und die Masse an Werbung ärgert mich jeden Monat aufs Neue. Trotzdem bleibe ich treu.
Doch jetzt musste ich mich wundern und auch ein wenig schmunzeln.
Seit einigen Tagen liegt die Aprilausgabe bei mir herum und wurde auch ein wenig gelesen. Was liest die Frau von heute zunächst? Das Horoskop
Und ja, mein April scheint nicht schlecht zu werden.
Dann wird wahllos durchgeblättert. Ein Artikel für das Covergirl des Monats: Gisele Bündchen – nun, das reizt mich nicht sonderlich.
Aber dann… die nächste Seite. Seite 41: „It’s Showtime, Baby!“ – wer strahlt einem dort entgegen? Das Ehepaar zu Guttenberg! Die Artikelüberunterschrift sagt, es gehe um „Power-Couples“
DAS wird gelesen.
Anhand der Paare zu Guttenberg und Wulff wird hier wunderschön erklärt, warum die beiden bzw. vier eben KEINE „Power-Couples“ sind – denn die Frauen sind hier letztlich auch nur Anhängsel, die vom Erfolg ihrer Gatten profitieren. Soweit so gut… inhaltlich jetzt nichts, was die 2,90 Euro wert wäre, aber sei es drum.
Was allerdings nervöse Zuckungen verursacht: „Die Ehefrau des Verteidigungsministers“, zu Guttenberg als einer der „beliebtesten Politiker des Landes“.
Hm… da hat die Realität den Schreiber wohl schneller eingeholt, als er schreiben konnte.
Klar – ich kann verstehen, dass man einen Artikel über ein an sich interessantes Thema nicht so ohne weiteres aus dem Magazin schmeißt oder kurzfristig umschreibt. Allerdings war der Rücktritt des Verteidigungsministers nicht gestern. Selbst wenn man einen solchen Artikel so stehen lassen möchte, könnte man am Ende nicht vielleicht eine kleine Fußnote (passend zum Thema
) machen, dass das aktuelle Geschehen den Artikel ein wenig eingeholt hat und der Mann nicht mehr Verteidigungsminister und seine Frau nicht mehr Frau des Verteidigungsministers ist?
So bleibt: In der Cosmopolitan ist Guttenberg im April noch im Amt, auch wenn er längst zurück getreten ist. Und auch, wenn wohl niemand tagespolitische Informationen in einer Frauenzeitschrift sucht, wirkt es doch ein wenig befremdlich…
Comments
19 Comments on Wo zu Guttenberg noch Verteidigungsminister ist… Wenn die Zeit den Journalismus einholt
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Oma Schmitz on
Fr, 25th Mrz 2011 09:49
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Gregor Keuschnig on
Fr, 25th Mrz 2011 09:50
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Nadine on
Fr, 25th Mrz 2011 09:55
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Bernhard Geiger on
Fr, 25th Mrz 2011 10:03
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Bernhard Geiger on
Fr, 25th Mrz 2011 10:05
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Nadine on
Fr, 25th Mrz 2011 10:09
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Nadine on
Fr, 25th Mrz 2011 10:11
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Gina on
Fr, 25th Mrz 2011 10:19
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Bernhard Geiger on
Fr, 25th Mrz 2011 10:34
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Gregor Keuschnig on
Fr, 25th Mrz 2011 13:35
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egal on
Fr, 25th Mrz 2011 13:40
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Jeeves on
Fr, 25th Mrz 2011 15:17
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Nadine on
Fr, 25th Mrz 2011 18:04
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Medienkanzler on
Fr, 25th Mrz 2011 22:27
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Andrea on
Fr, 25th Mrz 2011 22:41
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Nadine on
Sa, 26th Mrz 2011 09:13
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Max on
So, 27th Mrz 2011 11:02
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Leserin on
So, 27th Mrz 2011 12:52
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Susanne on
So, 27th Mrz 2011 13:46
Aua. Am Ende ist Gisele Bündchen ungeschinkt doch immer noch hübscher als die Durchschnittsleserin und die Comopolitan-Horoskope stimmen auch gar nicht? Schlimme Zeiten für Literaturkriterinnen.
Mich würde interessieren, ob es im nächsten Heft (oder vielleicht auf der Webseite) eine Stellungnahme hierzu gibt. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Journalisten solche Fehler als “Kleinigkeiten” und Beckmessereien abtun – und viele ihrer potentiellen Leser auch. Das hier ist noch “Cosmopolitan” – aber auch in den sogenanten Qualitätsmedien verkommt Präzision immer mehr.
Also wenn die Horoskope nicht mehr stimmen, dann kauf ich es nicht mehr
*rofl*
Dass Journalismus aber leider oftmals weder neutral, noch fundiert ist, ist schon lange nichts neues mehr. Wobei ich in der Cosmopolitan sicher derartiges auch nicht erwarte… da haben sich andere schon ganz andere Fehler erlaubt. Trotzdem sehr amüsant
Liebe Nadine,
das Phänomen ist als Vorlaufzeit bekannt, welche je nach Magazin unterschiedlich lang sein kann. Und wenn das Blatt gedruckt ist, läßt sich da nichts mehr ändern. Ein legendäres Beispiel ist PM: Die brachten kurz nach dem 11. September eine Geschichte über das Abreissen von Hochhäusern, auf dem Titel ein entsprechendes Bild und in grossen Lettern die Zeile “Die Kunst der Zerstörung”. Oder der Focus: Da wurde Lady Di am Tag nach ihrem Ableben noch in der Out-Liste als Looserin geführt, die sich von Herrn Al-Fayed vorführen ließe. Das hätte man natürlich derart kurzfristig nicht mehr ändern können, da hätte nur noch Einstampfen geholfen.
Viele Grüße, Bernhard
Ach, nochwas: Grauer Nagellack? Gruselig!
Hallo,
natürlich ist mir klar, dass die Sachen nicht einen Tag vor Erscheinen geschrieben werden. Steht ja auch im Blog. Wenn man aber eben bedenkt, dass es sich um die April-Ausgabe handelt, wird es schwierig. Zumal die ganze Angelegenheit mit Herrn zu Guttenberg ja auch nicht erst am Tage seines Rücktritts absehbar wurde. Ich persönlich denke, dass es bei Themen, die sich tagesaktuell ändern können, in einem Format, das monatlich erscheint und eigentlich auch nichts mit dem Thema zu tun hat, sinnvoll ist, auf derartige Bezeichnungen zu verzichten. Noch dazu, wenn sich die Veränderung ankündigte. Und das über einen Monat vor dem Erscheinen und fast zwei Monate vor dem Monat, dessen Aufschrift das Mag trägt…
Ne – grauer Nagellack ist toll
Auch wenn ich skeptisch war
Mal sehen, was hier interessanter wird: Guttenberg oder Nagellack – sehr unfaires Duell, denke ich
Bernhard Geiger hat recht – und ich gehe noch einen Schritt weiter: Klar ist steht Aktualität bei Wochen- oder gar Monatsmagazinen weit im Hintergrund. Dennoch gibt es einen Redaktionsschlusstag (sogar eine Stunde!), zu dem die Publikation up to date zu sein hat, will sie auch nur Basisqualität liefern. Das Kippen von Beiträgen ist nichts Neues, kommt ständig vor und ist auch notwendig. Für solche Gelegenheiten gibt es den sog. Stehsatz. Der hält (auf Halde sozusagen) Texte bereit, die dann zum Einsatz kommen, wenn der Autor zu langsam oder das Leben zu schnell war. Das nur als Hintergrundinfo für Nichtredakteure/-journalisten.
Ansonsten blättere ich beim Friseur gern auch mal in diesen Heftchen. Aber auch wirklich nur dort! Und ich weiß jeden Monat aufs Neue, warum ich sie nie kaufen werde…
Liebe Nadine,
völlig richtig, entweder hatten die keinen Bock, den Artikel nochmal umzuschreiben, oder die Vorlaufzeit ist bei der Cosmopolitan extrem lang. Von PM heißt es, sie betrüge 6 Wochen, es dürfte also beim Erscheinen der aktuellen Ausgabe auch die nächste schon gedruckt sein. Wäre das bei der Cosmopolitan ähnlich, werden wir wohl in der Mai-Ausgabe Reisetipps in den unberührten Nordosten der Japanischen Hauptinsel lesen.
Viele Grüße, Bernhard
Ich habe jetzt man auf der Webseite nachgeschlagen. Nach einigem Klicken kommt man auf die Seite mit den “Terminen”: http://www.mvg.de/cosmopolitan/print/termine.html – Das erklärt tatsächlich fast alles.
“Als Germanistin, Akademikerin, selbstbewusste Frau” – und ich erwarte auch noch einen gut geschriebenen Text. Naiv.
“Die Modetipps finde ich oft gruselig (außer einen [...]” – warum weiß eine Germanistin nicht, dass “außer” den Dativ nach sich zieht?
“Soweit so gut” – es gibt einen Unterschied zwischen “soweit” und “so weit”, hier “so weit(,) so gut”.
Und weg.
“ich kann verstehen, dass man einen Artikel über ein an sich interessantes Thema nicht so ohne weiteres aus dem Magazin schmeißt oder kurzfristig umschreibt.”
.
Also, ich versteh’s, dass man als verantwortlicher Redakteur so etwas tut und tun muss. Das ist Teil der Arbeit.
Aber ich kauf & les ja auch nicht solch’ Schwachsinn wie Horoskope, Modetips, Reklame…
Ist wenigstens ein vernünftiges (kluges, witziges, unterhaltsames) Kreuzworträtsel drin?
Wie sehr schön zitiert – ich verstehe es ja durchaus auch. Aber danke für die Bestätigung. Sinnvoll oder nicht – bleibt halt einfach dahin gestellt. Und nein, kluges gibt es da nicht – nicht einmal ein Kreuzworträtsel. Das ist doch der Grund, WARUM man sowas kauft. Kluge Dinge “muss” ich auch so reichlich lesen.
Tja, so geht das in unserer schnellen Zeit. Erstverkaufstag am 17.03. Druckunterlagenschluss am 07.02. Da war zu Guttenberg noch im Amt. Rücktritt am 03.03. – nichts mehr zu machen. Nicht mal die aus Lesersicht zu Recht geforderte Fußnote.
Danke an Gregor Keuschnig für die Bereitstellung der Mediadaten. Und trotzdem fühlt sich so ein Magazin sooo gut an. Männer lesen dann halt was anderes. Da muss sich keiner für rechtfertigen. Von grauem Nagellack versteh ich jedenfalls nichts.
Erstaunlich nur: warum müssen diese Blätter immer so früh erscheinen? 28. März tät’s doch auch für die April-Ausgabe, oder? Dann klappt’s auch mit dem Ministerrücktritt…
Auf jeden Fall Glückwunsch an Nadine. turi2 berichtet – da hast Du was richtig gemacht. Und Dein Blog dürfte heute ganz schön brummen…
Ob’s den Cosmopolitans wenigstens peinlich ist?
Mich würde mehr ein Foto einer Hand mit grauen Nägeln interessieren.
@ egal: Ich finde solche Aussagen immer wieder befremdlich. Ein Germanist ist weder kein Lektor und auch kein Autor. Ich persönlich habe keinen Kurs über Rechtschreibung im Magisterstudium gehabt. (Zumal ich mir den Luxus gegönnt habe, neben Bio und WiWi wenigsten in der Germanistik unvernünftig den Schwerpunkt auf Literaturwissenschaft zu legen und nicht auf die Sprache an sich
War eh immer klar, dass ich damit beruflich nichts anfangen will und werde)
Wenn ich krank bin, gehe ich zum Arzt und nicht zum Biologen – auch wenn der Biologe theoretisch versteht, wie der menschliche Körper funktioniert.
So gehe ich zu einem Autor, wenn ich einen tollen Text will oder zum Lektor, wenn ich einen formal richtigen Text will. Aber ich werde mir die betreffenden Stellen natürlich anschauen.
Ich freu mich auch schon auf fragwürdige Urlaubstipps. Ausser Japan böten sich da momentan noch Nordafrika und diverse Ziele auf der arabischen Halbinsel an.
Schlimmer als die kreischend peinliche Inaktualität (für die es vielleicht ja tatsächlich auch technische Gründe gibt) ist die devote Ranschmeiße an den Geleckten und seine Gattin. Das macht nach den längst bekannten Hochstapeleien noch viel mehr Autsch als alles andere. Cosmo, bleib bei deinen Nagellackgeschichten.
A propos P.M.: Schön ist auch das jetzige März-Heft von P.M. gewesen. Eine Geschichte, die sie auf dem Titel groß ankündigten, hieß:
“Atomkraft – ja bitte!”
Das Heft kam ungefähr zeitgleich mit dem Störfall in Fukushima…
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