Karneval – warum wir keine Freunde werden…

März 3, 2011 by · 2 Comments
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Karneval ist nichts für mich…

Vielleicht liegt es an traumatischen Erlebnissen mit Karneval in der Kindheit, vielleicht daran, dass ich aus Norddeutschland komme, wo man bekanntlich zum Lachen in den Keller geht…

Im Kindergarten wurde man halt von Eltern in lustige Kostüme gesteckt, in der Grundschule hatte ich sogar noch sowas wie Freude am Karneval, denn anders als hier in Rheinland-Pfalz war an den Schulen nicht ab Schwerdonnerstag (bzw. im Norden „Weiberfastnacht“) schon Ausnahmezustand, und schon gar nicht wurde sich verkleidet.
Das durfte man dann – und NUR dann – am Rosenmontag.

Und damit beginnt vielleicht meine Abneigung gegen den Karneval. In der ersten Klasse hatte ich irgendeine Kinderkrankheit (ob Windpocken, Röteln, Ringelröteln – ich weiß es nicht mehr). In der zweiten Klasse fiel der Unterricht am Rosenmontag aus – es hatte massiven Eisregen gegeben. Also war auch da die Enttäuschung groß. Im Jahre darauf war mein Jahr! Ich war Ballerina! Mit rosa-weißem Tutu – genäht von der Oma. Hunderte von Lagen Stoff! Ich war sooooo glücklich. Damals war ich sogar auch noch in einer „Mädchengruppe“ der Kirchengemeinde, so dass ich das Ding sogar ZWEI Mal anziehen konnte. Klasse. Jetzt würde alles gut werden und ich sicherlich in die Fußstapfen meiner karnevalsbegeisterten Tanten treten! Oder auch nicht – denn in der vierten Klasse war ich pünktlich zum Rosenmontag wieder krank.

Mein Vater versuchte dann im folgenden Jahr noch zu retten, was zu retten war, indem er mit mir zum „Ossensamstag“ ging: dem Karnevalsumzug in Osnabrück! Ja, auch in Norddeutschland gibt es sowas! Aber halt samstags… mit vielen Betrunkenen und noch mehr Glasscherben auf den Straßen. Es ist nicht schön, knöcheltief in Scherben zu stehen…

So begann meine schleichende Gleichgültigkeit gegenüber dieser aufgesetzt-ausgelassenen Zwangsfröhlichkeit. Schminken konnte man sich als Metalfan auch das ganze Jahr über lustig – wenn auch weniger bunt.

In meiner Zeit in Hannover ging das Ganze sehr spurlos an mir vorbei – vermisst habe ich nichts.

Aber dann… dann zog ich nach Koblenz. Und eines meiner ersten Vorstellungsgespräche meines Lebens hatte ich ausgerechnet am Rosenmontag in Koblenz. Gewarnt hatte mich niemand… so kam ich schon entsprechend gestresst an – den Job bekommen habe ich trotzdem.

Seit ich in Rheinland-Pfalz lebe und vor der Wohnung meines heutigen Mannes ein Karnevalsumzug gestellt wurde, mischt sich immer mehr Befremdung in die Gleichgültigkeit. Vielleicht liegt es daran, dass ich Menschenmassen nicht mag oder daran, dass ich es nicht leiden kann, von fremden Menschen angefasst zu werden; vielleicht auch daran, dass die Fröhlichkeit leider zu oft mit massivem Alkoholkonsum einher geht. Vielleicht an Begegnungen der besonderen Art auf Umzügen.

So konnte ich im letzten Jahr meinen Sohn gerade noch zurückreißen, als eine ältere „Dame“, um an irgendwelche „Kamelle“ zu kommen, vor einen der Wagen im Zug schubste… oder eine andere Bonbons aus dem Kinderwagen meines Neffens klaubte. So ganz sauber ist das nicht, oder? Gut – Ausnahmen mögen es sein, aber eben keine, die meine Zuneigung fördern.

Das bedeutet nicht, dass ich irgendetwas totalverweigere. Mein Sohn hat Spaß daran. Und ich bin gerne bereit, ihn zu kostümieren, zu schminken und mich mit ihm an den Straßenrand zu stellen, um meine Handtasche zum Bonbonbeutel umzufunktionieren.

Aber liebe Jecken, seid gewarnt: Wer mir versucht, bunte Farbe ins Gesicht zu schmieren, wird vielleicht gebissen. Und was mit toternst ist: Wer meinen Sohn vor einen Wagen schubst, den werde ich schubsen…

Wer sich aber trotzdem schon mal einstimmen möchte auf die kommenden närrischen Tage, kann dies im Blog von Thomas Lachettas machen, der sich sehr viel Mühe gemacht hat, als „Südbadener“ seine Begegnung und Erfahrung mit dem Kölner Karneval zu schildern und dies mit vielen bunten Bildern und noch bunteren Karnevals-Gassenhauern zu schmücken!

Ansonsten allen Jecken und heute natürlich vor allen Dingen den Weiber und Möhnen:

Viel Spaß! Alaaf oder Helau – ganz wie es beliebt! ;)

 

PS: Habe doch noch ein Kostüm gefunden, das mir gefällt. Mit Bauanleitung und finsterem Blick unter Karneval.Blog.de!