Paaaaaaaaaaaaaaaaanik (und verstümmelte Leichen)
Filed under: Allgemein, Gedanken, Literaturkritik, Medien
„Der Tag an dem…“ die Sonne explodierte, es zu viele Menschen gab, das Öl versiegte. Heuschrecken (mal Tiere, mal Kapitalisten), Meteoriteneinschläge, Tsunamis, Hurrikans, Planetenkiller, Sonnenstürme, die die Erde bedrohen. Ab und an dann noch Maya (bitte ohne „s“ am Ende) und Nostradamus. Man merkt doch irgendwie sehr deutlich, dass der 21.12.2012 näher rückt.
Dennoch: Muss das sein?
Ich finde es schon ziemlich schwierig, ein Buch zu kaufen. Weil ich (jenseits von Biss zum Erbrechen) die Wahl zwischen „Polizist/in findet verstümmelte Leiche“, „Agent/in findet verstümmelte Leiche“ und „Gerichtsmediziner/in findet verstümmelte Leiche“ habe.
Und wenn ich gerade die Nase von verstümmelten Leichen voll habe und mal eine nette Doku sehen möchte, habe ich jetzt die Wahl zwischen „Die Welt wird zerstört durch…“ und inhaltsleeren Erzählungen über das, was Menschen oder Völker in der Vergangenheit glaubten, wodurch die Welt zerstört werde.
Nie in der Vergangenheit hatten wir so viele Sender, so viel Informationen in den Medien zur Verfügung… und dabei doch so wenig Auswahl. Schon irgendwie erschreckend.
Ich hätte gerne mal wieder eine Doku über irgendetwas, das noch nicht zu Tode „dokumentargefilmt“ ist. Und trotzdem mit Inhalt. Geht das? Warum immer Nostradamus? Macht doch mal eine gehaltvolle Doku über Aleister Crowley. Der war auch spannend… Warum Planetenkiller? Macht doch mal eine gehaltvolle Doku über den heimischen Wald (also gehaltvoll… nicht langweilige Bilder mit langweiliger Musik und einem Sprecher, der es schafft, Menschen ins Koma zu reden…). Wenn ich schon mal den Fernseher anschalte, dann möchte ich wahlweise unterhalten oder informiert werden – aber doch nicht verängstigt und in Panik versetzt. Das kann ich auch ganz allein ohne redaktionelle Unterstützung der Nachrichtensender.
Alternativ nehme ich aber auch gerne Buchvorschläge entgegen. Und bitte: Kein hochtrabendes, intellektuelles Feuilleton – Material…. Ich möchte in aller Regel auch beim Lesen unterhalten werden. Wenn ich mich weiterbilden möchte, kaufe ich ein Sachbuch. Ich bin dann mal beim Buchhändler meines Vertrauens…
Vorleseweltrekord auf der Festung Ehrenbreitstein
Heute ist ein besonderer Tag – mein Sohn geht auf Weltrekordjagd. OK… nicht nur er: 10.000 Kinder sind es, um genau zu sein. Der Kinderbuchautor Stefan Gemmel hat sich vor einiger Zeit vorgenommen, das größte Lese-/Vorlesepublikum der Welt auf die Beine zu stellen. Vor der archaischen Kulisse der Festung Ehrenbreitstein, die hoch über dem Deutschen Eck thront.
Eine tolle Aktion in meinen Augen – und in denen vieler.
Es haben sich unglaublich viele Schulen aus ganz Rheinland-Pfalz angemeldet, um bei diesem Event dabei zu sein. Die Pressereaktionen sind größtenteils positiv – in Zeiten von Internet und Konsole werden immerhin 10.000 Kinder dazu gebracht, sich mit einem Buch zu beschäftigen.
Ja – es ist ein Buch, das extra für diesen Anlass von Herrn Gemmel geschrieben wurde und der sich sicherlich auch nicht beschweren wird, wenn er im Nachhinein das ein oder andere Exemplar verkauft… (die Weltrekordteilnehmer sind übrigens keine potentiellen Kunden – die bekommen ein Exemplar geschenkt!). Ja, es ist eine Massenveranstaltung, in der es nicht in erster Linie um die Kinder, sondern den Rekord gehen wird.
Aber harsche Kritik, wie die der NOZ (ausgerechnet… das mir! Als gebürtiger Osnabrückerin! Meine „Heimatzeitung“!…
) kann ich nicht teilen.
Im Presseverteiler fand ich nämlichdies:
Neue OZ: Kommentar zu Kultur
Bildung
LesenOsnabrück (ots) – Leerer Kraftakt
Vorleser wenden sich zu, Kinder lauschen. Vorlesen gibt es nicht ohne Nähe. Beim Vorlesen wird nicht nur ein Text vermittelt, sondern auch persönliche Bindung gefestigt und Sinn gestiftet. Aber vielleicht ist das zu idyllisch gedacht. Kinderbuchautor Stefan Gemmel macht heute aus dem bloßen Vorlesen eine sportive Sache. Tausende Kinder, ein Stadionrund, der Beauftragte der Guinness-Rekorde, fertig ist das Szenario für einen neuen Superlativ. Doch die Rekordmarke markiert nur eine Zahl. Über die eigentliche Qualität des Vorlesens sagt sie nichts aus.
Zum Vorlesen gehören Stille und Muße, nicht Rummel und Tamtam. Genau das wird nun jedoch veranstaltet. Der Koblenzer Kraftakt folgt einer Logik, die nur das akzeptiert, was als Event inszeniert und konsumiert werden kann. Doch was nützt der Hype um einen Rekord, wenn es zu wenige Eltern gibt, die tagtäglich daheim vorlesen? Es geht schließlich immer um das einzelne Kind. Das mag vielleicht nicht das größte Publikum der Welt sein. Ganz sicher aber ist es das wichtigste.
Quelle: presseportal.de
Auch wenn ich ein großer Freund von Lese- Qualität und dem Lesen mit Ruhe und Muße bin, auch wenn ich mich immer gerne mit Kind und Buch zurück gezogen habe, kann ich diese Kritik um der Kritik Willen nicht nachvollziehen.
Die hier geforderte Qualität kann in der Tat nur im Elternhaus stattfinden – selbst im Kindergarten steht in Vorlesezeit nicht das einzelne Kind im Vordergrund. Auch nicht in den vielen Vorleser-Initiativen, die Eltern und Großeltern in Kindergärten und Schulen schicken, damit die Kinder überhaupt mal etwas vorgelesen bekommen. Sind die deswegen auch zu kritisieren?
Was der Hype um einen Weltrekordversuch nützt? Vielleicht bringt er Kinder hervor, die von ihren arbeitenden und gestressten Eltern einfach einfordern, dass man gemeinsam liest. Manchmal brauchen die Eltern nämlich nur eine Aufforderung, weil es gar nicht wirklich an den 15 oder 30 Minuten täglich hängt, sondern daran, dass viele Eltern der Meinung sind, ihre Kinder würden sich ohnehin nicht fürs Lesen interessieren.
Denn in diese Richtung sollte die vornehmliche Kritik doch wohl gehen: Die Elternhäuser der Nation.
Es ist nicht die Massenveranstaltung, die in dieser Hinsicht ernsthaft zu kritisieren ist, sondern die Lesefaulheit der Eltern, die ihren Kinden nicht mehr vorleben, wie es ist, sich mit einem Buch hinzusetzen.
Das wichtigste Publikum der Welt sollte ohne Frage das eigene Kind sein – aber in wirklichem Gegensatz zu einem solchen Massenevent steht das in meinen Augen sicherlich nicht.
Mein Sohn ist fürchterlich nervös zur Schule gefahren, macht sich Gedanken, ob er seinen Text gut genug kann, ob alle anderen ihn gut genug können. Er hat sich vorgenommen, auf jeden Fall einfach Spaß zu haben. Und auch das sind wichtige Lektionen fürs Leben: Man hat nicht immer alles selbst in der Hand – und selbst wenn etwas so großes schief geht, kann man gemeinsam trotzdem Spaß haben.
Der einzige Wehmutstropfen, den ich bei diesem Event sehe: Es sind Schulen, die ausgewählte Schüler zu dieser Veranstaltung bringen. Wäre es nicht gewagter gewesen, einfach einzuladen und zu sehen, wer kommt? Mein Sohn hätte uns zu der Veranstaltung „gequatscht“, auch wenn die Schule nicht teilgenommen hätte. Wir mussten ihm schon das Versprechen geben, dorthin zu fahren, BEVOR wir wussten, dass die Schule mitmacht. Auf diesem Wege hätte man Kindern tatsächlich mehr „Nervpotential“ an die Hand gegeben, auch lesefaule Eltern zu motivieren.
So sind es dann ausgewählte Kinder – und im Falle der Klasse meines Sohnes kann ich sagen, dass es wohl die Kinder sind, denen der Bezug zum Lesen ohnehin nicht fehlt.
Allerdings sollte man dabei wohl auch nicht vergessen, wie sehr die wenigen einer Klasse andere mitreißen können.
Ich freue mich für meinen Sohn und die anderen 9.999 Kinder auf der Festung (nicht so sehr für einen lieben Kollegen der in der Nähe wohnt und im Angesicht der Masse, die aus ganz Rheinland-Pfalz anreisen, heute besser das Haus nicht verlässt
) und wünsche Ihnen, dem Autor Stefan Gemmel, dem Team der Leserattenservice GmbH und alles Helfen einen tollen (trockenen) und spannenden Tag in Koblenz!
PP – Professionelles Prokrastinieren
Prokrastination ist nicht nur PP = persönliches Pech!
Ich bin nun lange genug selbständig, um immer wieder festzustellen, dass viele Firmen die Prokrastination auf höchst professionellem Level betreiben. Wie das aussieht?
Dezember: „Ach, wissen Sie… so zum Jahresende… da läuft bei uns nicht mehr viel… Sie wissen schon: Feiertage, Urlaub…“
Januar: „Ach, wissen Sie… so am Jahresanfang… da gibt es so viel Internes zu regeln…. Man muss sich ja erstmal wieder einfinden…“
Februar: „Ach wissen Sie… DIE hat gerade frei – ist doch Karneval! Und ich denke schon, wir sollten Sie in die Entscheidung mit einbeziehen…“
März: „Ach wissen Sie… so zum Quartalsende… lassen Sie uns doch nächsten Monat mal reden…“
April: „Ach, wissen Sie… wir sind grad wirklich schlecht besetzt… Osterferien und so…“
Mai: „Ach wissen Sie… es sind grad so viele im Urlaub. Ist doch Brückentag / 1. Mai / Himmelfahrt / Pfingsten…“
Juni: „Ach wissen Sie… es sind grad so viele im Urlaub. Ist doch Brückentag /Fronleichnam und dann ist ja auch noch Quartalsende…“
Juli / August: „Ach wissen Sie…. Es sind doch (bald) Sommerferien… da entscheidet hier keiner mehr was…“
September: „Ach wissen Sie… es waren doch gerade Sommerferien… da muss man sich doch erst mal wieder einfinden… lassen Sie uns im Oktober….“
Oktober: „OH GOTT OH GOTT OH GOTT! Ich weiß gar nicht mehr, wohin mit der vielen Arbeit! Es ist sooooooo viel liegen geblieben… da müssen wir uns erst drum kümmern! Lassen Sie uns im November…“
November: „Ach wissen Sie… es sind grad so viele im Urlaub. Ist doch Brückentag /Allerheiligen… und außerdem ist das Jahr ja bald schon vorbei… melden Sie sich doch im Januar…“
Und da wundert es noch jemanden, dass Firmen ihre Projekte nicht abgewickelt bekommen, kein geeignetes Personal finden, keine neuen Webseiten auf die Beine gestellt bekommen?
Kurz und knapp:
Nichts funktioniert, für das man Außenstehende braucht; weil man die Zeit, in der man dann tatsächlich arbeiten könnte, zum Jammern nutzt, dass man keine Mitarbeiter hat/findet, dass nichts läuft, dass es dem Mittelstand so schlecht geht und dass das gesamte Geschäftsklima in Deutschland ach so schlecht ist?
Vielleicht sollte man anfangen, sich Gedanken darüber zu machen, dass man Teil dieses Klimas ist und dass es dem Geschäft nicht förderlich ist, wenn man selbst oder seine professionell prokrastinierenden Mitarbeiter/innen einem selbst im Weg stehen. Wenn niemand ohne den anderen Entscheidungen treffen kann/will und „der andere“ aber ständig nicht da ist…
Und wer es sich dann wirklich mal durch den Kopf gehen lassen möchte: Die Karrierebibel bot schon 2008 ganze 45 Wege gegen gefährliche Aufschieberitis…
Aussagen einschränken und ausweiten in einem Atemzug – bis zum Exitus
Geschäftsaufgaben sind immer eine unschöne Angelegenheit – es gibt aber Geschäfte, bei denen es einen nicht wirklich wundert. Das Interform Einrichtungshaus in Koblenz ist so ein Fall – Verkäufern bin ich in diesem Laden nie begegnet. Allerdings hätte ich von den wahlweise überteuerten oder altmodischen (oder beidem…) Möbeln auch nicht unbedingt etwas kaufen wollen und so war ich nicht wirklich oft drin.
Dass man trotz der Geschäftsaufgabe seinen Humor nicht verloren hat, zeigt das Unternehmen aber mit überdimensionaler Werbetafel:
„Alles bis zum ½ Preis und mehr reduziert.“
Das scheint mir eine sehr konsequente Fortsetzung der Unternehmensphilosophie zu sein.
„Bis zum… und mehr“, sagt ja im Prinzip so viel wie: „Und kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.“
So ähnlich ging es mir als Kunden dort immer: „Ob du was kaufst oder nicht…“
Schade nur für die Mitarbeiter des Unternehmens (wenn es denn welche gab?)
„Klaras lange Reise zu den Scilly-Inseln“ von Reinhold Kusche
Es passiert wohl nicht allzu oft, dass man über einen XING-Kontakt einen spirituellen Roman zur Rezension bekommt. Die Rezension ist geschrieben und im Esozin (www.esozin.de) veröffentlicht. Wer etwas zum Inhalt erfahren möchte, kann dort gerne lesen.
Doch „Klaras lange Reise“ macht Eindruck, deswegen möchte ich an dieser Stelle noch etwas mit einer persönlicheren Note schreiben.
Das Buch hatte ich einige Tage zu Hause liegen, bevor ich mit dem Zug in die Heimat fahren musste. Der Anlass war kein schöner, denn es stand die notarielle Erbauseinandersetzung an, da mein Vater vor wenigen Monaten sehr jung verstorben ist.
Eine Zugfahrt also, die man nicht gerne macht. Und eine, auf der man Ablenkung dringend braucht. Also beschloss ich, das Buch so lange liegen zu lassen und dann auf dem Weg in die Heimat zu lesen. Schmunzelnd fiel mir dann im Zug auf, worüber ich mir noch gar keine Gedanken gemacht hatte: Klara heißt auch meine Mutter, zu der ich nun auf dem Weg war.
Kaum saß ich im Zug, versuchte ich mich in die Geschichte zu vertiefen, was anfangs nicht leicht war, da eine Horde jugendlicher Engländer lautstark feiernd und trinkend den selben Zug nutzte, deren deutsches Vokabular sich im Wesentlichen auf „Jägermeister“ beschränkte. Aber wenn mich ein Buch fesselt, kann ich alles andere ausblenden, so dass ich irgendwann in einen guten Lesefluss kam.
Der Anfang der Geschichte berührte mich sehr. Selbst Mutter eines Sohns in Klaras Alter, musste ich mir im Zug tatsächlich eine Träne wegwischen, als dem Mädchen erklärt wurde, was der Tumor in ihrem Kopf macht und was das für ein so junges Leben bedeutet.
Das ist etwas, das man keinem Kind, aber auch keinen Eltern auf dieser Welt wünscht. Vielleicht lag es an der traurigen Grundstimmung, die ich auf meine Reise mitgenommen hatte, vielleicht aber auch daran, dass diese Szene unglaublich intensiv ist.
Also hielt ich mir geistig immer wieder vor Augen: Alles wird gut – das weiß ich, weil es eben schon gesagt wurde.
Und es wird auch alles gut. Wirklich alles.
Klara hat als kleines Kind vor ihrer Operation ein spirituelles Erlebnis, das ihre gesamte Grundhaltung ändert. Ein beneidenswerter Umstand, der das Leben dieses kleinen Menschen maßgeblich beeinflusst.
Das ganze Buch baut hierauf auf – diesem einen Erlebnis, von dem man erst am Ende der Reise erfährt, was es ist.
Das ganze Buch, der ganze Roman ist voller Fragen, auf die sich so leicht keine Antworten finden lassen. Zumindest nicht in einem Buch. Allerhöchstens zwischen den Zeilen. Die Fragen, die am Ende des Buchs noch einmal zusammen gefasst sind:
- Woher komme ich?
- Wohin gehe ich?
- Wer bin ich?
- Wer denkt in mir?
- Wer fühlt in mir?
- Wer nimmt in mir die Gefühle wahr?
- Wer in mir sieht die Welt?
- Wer in mir hört all die Geräusche?
Diese Fragen fassen gut zusammen, worum es hintergründig in diesem Buch geht.
Und die Antwort? Klara findet sie mithilfe vieler Weggefährten im Leben: Die Welt, wie wir sie wahrnehmen ist nur eine Projektion der Gedanken, die wir haben. Denken wir schlecht, geht es uns schlecht und alles wird schlecht.
Denken wir gut, fühlen wir uns gut und alles wird gut.
Und Klaras Reise wird gut.
Drei Stunden Hinfahrt, drei Stunden Rückfahrt hatte ich Zeit für dieses wundervolle Buch, diese eindringliche Geschichte.
Zeit, die genau gepasst hat. Kurz bevor der Zug zwischen Bonn und Koblenz auf die Rheinstrecke fuhr, sich der immer wieder phantastische Blick auf das Rheintal, den Rhein, die Weinhänge und Schiffe eröffnete, war ich fertig und konnte den Blick aus dem Zugfenster genießen.
Es ist bemerkenswert: Ich wollte nach diesem Buch einen Moment der Ruhe – und wer die Stecke zwischen Bonn und Koblenz schon mal mit dem IC gefahren ist, der weiß, dass in dem Moment, wo der Rhein beginnt, neben dem Zug sichtbar zu werden und das Grün der Hügel beruhigend strahlt, wird es leise im Zug – ganz leise. Die Menschen schauen aus den Fenstern, genießen den Ausblick und hängen ihren Gedanken nach.
Zufall?
Ehec – ansteckend, berühmt und so menschlich?
Eigentlich ist die Sache kein Spaß: An Ehec sterben seit Kurzem Menschen und meine Zugfahrt nach Osnabrück begann in Monatabaur mit den Worten meines Mannes: Bevor du was einschleppst, bleibst du da!
Denn Rheinland-Pfalz ist bis dato noch Ehec-frei. Ich gebe mein Bestes, dass es so bleibt.
In den Medien ist der Ehec – Erreger jedoch noch viel weiter verbreitet, als er es tragischer Weise in der Realität ist.
Stern.de beispielweise bietet dann direkt ein Porträt des Erregers.
o.O Was?
Schauen wir bei Wikipedia nach:
Ein Porträt (v. frz. portrait) ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere künstlerische Darstellung einer oder mehrerer Personen. [...] Im übertragenen Sinne wird auch eine schriftliche Beschreibung eines Menschen, also eine kurze Biografie, als Porträt bezeichnet.
Hm. Porträt eines Keims?
Bei aller Liebe zu Information: Hello Kitty-rosa Bild und eine Biographie eines Keims? Irgendwie erscheint mir das so… unpassend?
Zumal dann noch im zugehörigen Artikel davon berichtet wird, dass ein “Profil des Übeltäters” erst noch erstellt wird.
Aktenzeichen XY: Ehec auf der Spur ?
Liebe Journalisten, es handelt sich um einen gefährlichen Keim, eine ansteckende Krankheit, eine menschliche Tragödie für die Betroffenen und sicher nicht um etwas, das ein “Porträt” oder ein “Profil” braucht.
I’m reading a book – immerhin einer.
In einer Welt, in der ein amerikanischer (Ex)-Präsident stolz von sich geben kann, EIN Buch gelesen zu haben – das richtige.
Und in einer Welt, in der es “cool” ist, nicht zu lesen, ist es doch irgendwie beruhigend, erheiternd und erfrischen, wenn ein Internet-Phänomen wie Julian Smith so etwas hier produziert:
Wenn gleich das Video vielleicht kein allzu positives Bild von Lesenden vermittelt… aber… ach, was soll’s. Wenn ich lese, will ich auch Ruhe haben. RUHE! R-U-H-E!!!!!
(gefunden im Glaserei-Blog)
Der Weltuntergang Mai bis Oktober 2011
Haben Sie schon etwas vor? Am Samstag, den 21. Mai? So gegen 18Uhr? Nein? Macht nichts… Sie werden schon Ihren Spaß haben. Nämlich bei Entrückung und Weltuntergang!
Das zumindest glaubt Harold Camping – ein US-amerikanischer Radioprediger, der derzeit seine Schäfchen um sich schart und der der Dinge harrt.
Ich an seiner Stelle würde ja die Einladungen für meinen 90. Geburtstag doch rausschicken, denn der gute Herr hat ja schon einmal mächtig danebengelegen.
1992 behauptete er, dass zwei Jahre später Jesus auf die Welt zurück kehren werde und damit die Apokalypse einleite. Er habe sich verrechnet, war seine Entschuldigung, aber dieses Mal nicht! Das ist ja wohl klar! Also folgt die Herde brav dem Oberschaf, kündigt Jobs und wartet… auf die „Entrückung“.
Puh, ich weiß nicht – ich finde das irgendwie sehr spaßbefreit. Da haben die Maya-Weltuntergangstheorien doch irgendwie mehr Pep.
Und so richtig Ernst scheint ihn niemand zu nehmen – abgesehen von seinen 1.500 Facebook-Fans. Es gibt nicht einmal eine Veranstaltung „Weltuntergang 21.5.11“ oder etwas in der Richtung… Nur eine kleine Gruppe, die NICHT glaubt. Sehr enttäuschend.
Hier gibt es ein bisschen Info über den guten Harold. Geht das nur mir so oder erinnert das Bild an Bram Stokers Dracula? Als der Graf die Treppe herunter geht und sein Schatten sich verselbständigt?
Absurditäten des Alltags (1) – Mehrweg – Einweg? Ich bin dann mal weg….
Da wundert man sich, dass immer weniger Mehrwegpfand gekauft wird und immer mehr Leute zur Einwegflasche greifen?
Man hätte es sich denken können:
Wer vor Einführung des Einwegpfands zu selbigen Flaschen griff, der musste diese großen, raumfressenden Plastikungetüme im Hausmüll entsorgen – da war die Tonne fix voll.
Und jetzt? Paradiesische Zustände! Ich darf die riesigen Dinger im Müll anderer entsorgen UND bekomme dafür sagenhafte 25 Cent das Stück! Viel mehr als für doofes Mehrwegpfand! Denn die Tatsache, dass ich es beim letzten Einkauf bezahlt habe, ist doch beim „Bsssst – bweeep – krchchchhchhsch“ am Leergutautomaten längst wieder vergessen.
Da hat man sich doch ein tolles Pseudo-Belohnungssystem ausgedacht:
Der Kunde glaubt, etwas Gutes zu tun, weil er sein Leergut nicht heimlich nachts im Wald entsorgt UND es gibt Kohle dafür!
(Von Jugendlichen in meinen Kursen, die lieber zu Mehrwegflaschen griffen, weil das billiger war, wenn man die dann leer in den Hausmüll schmeißt, wollen wir mal schweigen.)
Karneval – warum wir keine Freunde werden…
Karneval ist nichts für mich…
Vielleicht liegt es an traumatischen Erlebnissen mit Karneval in der Kindheit, vielleicht daran, dass ich aus Norddeutschland komme, wo man bekanntlich zum Lachen in den Keller geht…
Im Kindergarten wurde man halt von Eltern in lustige Kostüme gesteckt, in der Grundschule hatte ich sogar noch sowas wie Freude am Karneval, denn anders als hier in Rheinland-Pfalz war an den Schulen nicht ab Schwerdonnerstag (bzw. im Norden „Weiberfastnacht“) schon Ausnahmezustand, und schon gar nicht wurde sich verkleidet.
Das durfte man dann – und NUR dann – am Rosenmontag.
Und damit beginnt vielleicht meine Abneigung gegen den Karneval. In der ersten Klasse hatte ich irgendeine Kinderkrankheit (ob Windpocken, Röteln, Ringelröteln – ich weiß es nicht mehr). In der zweiten Klasse fiel der Unterricht am Rosenmontag aus – es hatte massiven Eisregen gegeben. Also war auch da die Enttäuschung groß. Im Jahre darauf war mein Jahr! Ich war Ballerina! Mit rosa-weißem Tutu – genäht von der Oma. Hunderte von Lagen Stoff! Ich war sooooo glücklich. Damals war ich sogar auch noch in einer „Mädchengruppe“ der Kirchengemeinde, so dass ich das Ding sogar ZWEI Mal anziehen konnte. Klasse. Jetzt würde alles gut werden und ich sicherlich in die Fußstapfen meiner karnevalsbegeisterten Tanten treten! Oder auch nicht – denn in der vierten Klasse war ich pünktlich zum Rosenmontag wieder krank.
Mein Vater versuchte dann im folgenden Jahr noch zu retten, was zu retten war, indem er mit mir zum „Ossensamstag“ ging: dem Karnevalsumzug in Osnabrück! Ja, auch in Norddeutschland gibt es sowas! Aber halt samstags… mit vielen Betrunkenen und noch mehr Glasscherben auf den Straßen. Es ist nicht schön, knöcheltief in Scherben zu stehen…
So begann meine schleichende Gleichgültigkeit gegenüber dieser aufgesetzt-ausgelassenen Zwangsfröhlichkeit. Schminken konnte man sich als Metalfan auch das ganze Jahr über lustig – wenn auch weniger bunt.
In meiner Zeit in Hannover ging das Ganze sehr spurlos an mir vorbei – vermisst habe ich nichts.
Aber dann… dann zog ich nach Koblenz. Und eines meiner ersten Vorstellungsgespräche meines Lebens hatte ich ausgerechnet am Rosenmontag in Koblenz. Gewarnt hatte mich niemand… so kam ich schon entsprechend gestresst an – den Job bekommen habe ich trotzdem.
Seit ich in Rheinland-Pfalz lebe und vor der Wohnung meines heutigen Mannes ein Karnevalsumzug gestellt wurde, mischt sich immer mehr Befremdung in die Gleichgültigkeit. Vielleicht liegt es daran, dass ich Menschenmassen nicht mag oder daran, dass ich es nicht leiden kann, von fremden Menschen angefasst zu werden; vielleicht auch daran, dass die Fröhlichkeit leider zu oft mit massivem Alkoholkonsum einher geht. Vielleicht an Begegnungen der besonderen Art auf Umzügen.
So konnte ich im letzten Jahr meinen Sohn gerade noch zurückreißen, als eine ältere „Dame“, um an irgendwelche „Kamelle“ zu kommen, vor einen der Wagen im Zug schubste… oder eine andere Bonbons aus dem Kinderwagen meines Neffens klaubte. So ganz sauber ist das nicht, oder? Gut – Ausnahmen mögen es sein, aber eben keine, die meine Zuneigung fördern.
Das bedeutet nicht, dass ich irgendetwas totalverweigere. Mein Sohn hat Spaß daran. Und ich bin gerne bereit, ihn zu kostümieren, zu schminken und mich mit ihm an den Straßenrand zu stellen, um meine Handtasche zum Bonbonbeutel umzufunktionieren.
Aber liebe Jecken, seid gewarnt: Wer mir versucht, bunte Farbe ins Gesicht zu schmieren, wird vielleicht gebissen. Und was mit toternst ist: Wer meinen Sohn vor einen Wagen schubst, den werde ich schubsen…
Wer sich aber trotzdem schon mal einstimmen möchte auf die kommenden närrischen Tage, kann dies im Blog von Thomas Lachettas machen, der sich sehr viel Mühe gemacht hat, als „Südbadener“ seine Begegnung und Erfahrung mit dem Kölner Karneval zu schildern und dies mit vielen bunten Bildern und noch bunteren Karnevals-Gassenhauern zu schmücken!
Ansonsten allen Jecken und heute natürlich vor allen Dingen den Weiber und Möhnen:
Viel Spaß! Alaaf oder Helau – ganz wie es beliebt!
PS: Habe doch noch ein Kostüm gefunden, das mir gefällt. Mit Bauanleitung und finsterem Blick unter Karneval.Blog.de!


